Arthur ist ein Freund. Ich verdanke ihm was. Und manchmal ist es schwer, sich zu unterhalten.
Von Gerald Beyrodt
Ich habe auf ein nettes Treffen mit meinem Freund Arthur gehofft. In früheren Berufsjahren hat er mich gefördert. Arthur kann wunderbar lästern und über die Leute herziehen. Die eine ist eine „schwäbische Nebelkrähe“, der andere ist ein „Latte Macchiato trinkender Kulturplauderer“, die dritte hatte was mit dem vierten, war allgemein recht umtriebig, und Alkohol war in früheren Berufsjahren des Journalismus sowieso immer vorhanden. Überhaupt hören sich Arthurs Erzählungen aus früheren Jahren viel wilder, an als ich das heute in den Funkhäusern kenne.
Manchmal muss ich bei Arthur auch aufpassen. Dann stellt er Fragen wie: „Kennste noch den ollen Müller?“ Selbstverständlich kenne ich den ollen Müller nicht mehr. Gleichwohl muss ich mir nicht enden wollende Monologe über den ollen Müller und andere verblichene Größen anhören. Dabei schwört Arthur Stein und Bein, dass er mit dem Funkhaus nichts mehr zu tun haben wolle.
Ich mochte an Arthur immer die Bildung. Im Journalismus auch mal Aristoteles zu zitieren oder Kant, mir hat das gefallen. Arthur kann gut Latein und Altgriechisch, ich kann mich da nicht messen. Nicht immer haben mir seine Features gefallen. Manches erschien mir zu altbacken oder universitär.
Inzwischen bricht es aus Atthur hervor. Im seinem früheren Sender seien inzwischen alle so links, das sei früher nicht so gewesen, und auch in meinem Sender seien die Nachrichten alle so links. Er könne Transgender und ihr Gewimmer von Diskriminierung nicht verstehen, er als schwuler Mann sei in den Siebziger Jahren wirklich diskriminiert gewesen. Und die AfD dürfe man nicht verbieten, man könne eine Partei doch nicht verbieten, die dermaßenen Anklang finde. Ich erlaube mir zu sagen: „Mal soll man solche Parteien nicht verbieten, weil kaum einer sie wählt. Und mal kann man das nicht, weil sie so viel gewählt werden..“ Das zieht eine ätzende Diskussion nach sich.
Irgendwann halte ich es nicht mehr aus. ich sage: „Übersetzt du noch täglich Platon?“ Arthur sagt „Ja.“ Und er erzählt, dass er das tut, um die Texte besser zu verstehen. Von da an geht das Gespräch über Bildung. Ich weiß, dass nichts gelöst ist. Und trotzdem geht es mir besser.

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