Kölner Friedensverpflichtung: Ganz viel erreicht, nur was eigentlich?

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Diese Woche war ich bei einem Empfang zu 20 Jahren Kölner Friedensverpflichtung der Religionen. Dazu muss man wissen, dass die Religionen noch vor 21 Jahren mit Panzern durch Köln gefahren sind und sich gegenseitig mit Handgranaten beworfen haben. Seit der Kölner Friedensverpflichtung ist Schluss damit.

Von Gerald Beyrodt

Aus den Reden und der Podiumsdiskussion mit eher geringer Inhaltsdichte sprach ein großer Stolz auf die erreichten Leistungen und ein noch größerer Stolz, Kölnerinnen und Kölner zu sein. So verwegene und wunderbare Dinge wie die Kölner Friedensverpflichtung seien nur in Köln möglich, war der Tenor. Das ist klar, dachte ich, denn hätte man sie in Düsseldorf abgeschlossen, dann wäre es eine Düsseldorfer Friedensverpflichtung.

Zwar gibt es solche Friedensverpflichtungen auch in anderen Städten, aber irgendwie war die Grundstimmung, dass so es so schöne und außergewöhnliche Dinge wie in Köln halt nur in Köln geben kann. Fast schien es, als würden es die Anwesenden für eine Leistung halten, Kölner zu sein. Ein Irrglaube, der in der Stadt weit verbreitet ist. Ich finde es gut, dass bei einem Treffen der Religionen auch der Irrglaube vertreten ist. Ansonsten war man stolz, wie friedlich und tolerant in Köln alle seien. Ich habe einmal öffentlich vertreten, dass ich Karneval nicht zwingend brauche, und fand die Reaktionen jetzt nicht so wahnsinnig überbordend friedlich und tolerant.

Bei einer Feier zu 20 Jahren Friedensverpflichtung war natürlich andauernd vom Frieden die Rede, ohne dass klar wurde, welcher Friede wo gemeint war und wie man ihn erreichen wolle. Die russisch-orthodoxe Kirche, die maßgeblich Putins Krieg gegen die Ukraine unterstützt, war nicht vertreten. Es gibt in Köln eine Religion, deren Gotteshäuser, die Synagogen, von Sicherheitsleuten geschützt werden müssen. Es gibt andere Religionen, bei denen das nicht nötig ist. Daran haben der Rat der Religionen und 20 Jahre Kölner Friedensverpflichtung nichts geändert. Vielleicht wäre das auch zu viel verlangt. Nur war die Grundstimmung so, als hätte man ganz viel erreicht und ganz dolle die Welt verändert.

Und was ist nun das Erreichte? Vor 20 Jahren haben fünf religiöse Institutionen eine Erklärung unterschrieben, in der drin steht, dass Krieg und Gewalt nicht so gut sind und dass sie gegen die Vorstellung des Heiligen Krieges eintreten. Das ist nicht viel, aber immerhin etwas. Außerdem hat der Rat der Religionen innerhalb von 20 Jahren eine Handvoll Resolutionen zustande gebracht. Eine davon richtet sich gegen das Pogrom vom 7. Oktober. Auch das ist immerhin etwas, und ich stelle mir vor, dass es nicht leicht ist, alle Religionsgemeinschaften zu solchen Texten unter einen Hut zu bekommen.

Was sonst ist erreicht worden? Ehrlich gesagt nicht viel. Immer wieder war zu hören, dass von Köln irgendwie der Friede ausgehen soll. Aber inwiefern die Welt in den letzten 20 Jahren friedlicher geworden sein soll, wurde nicht klar. Die anwesenden Religionsvertreter sprachen nacheinander Friedensgebete mit dem Friedensgebet der UNO, von dem ich ehrlich gesagt zum ersten Mal zum ersten Mal gehört habe und von dem ich später nachgelesen habe, dass es kein offizieller UNO-Text ist, als krönenender Abschluss. Es mag Geschmacksache sein, aber ich brauche sowas nicht. Ich habe mich nicht religiös erhoben gefühlt. Und ich konnte auch nicht den Eindruck gewinnen, dass der Weltfriede in irgendeiner Weise näher ist, aber vielleicht übersehe ich was.

Die dürftigen Darbietungen wurden garniert von noch dürftigerem Gesang mit Klavierbegleitung. Überwiegend simple Wohlfühlmelodien à la Kirchentagspop. Die Texte waren meist nicht zu verstehen. Einer wurde vor dem Gesinge vorgelesen. Ich gebe hier mal die Prognose ab, dass er nicht den nächsten Büchner-Preis bekommen wird. Selbstverständlich fehlte nicht die Aufforderung zum Mitsummen. Fast zwei Stunden dauerte es, bis es endlich was zu essen gab, und auch dann nur Häppchen. Zum Sattwerden war das nicht. Ich finde das stimmig. Denn auch für den Kopf gab es an diesem Abend wenig zum Sattwerden.

Ist es wirklich zielführend, sich gemeinsam vorzumachen, man tue ganz viel und verändere die Welt aber sowas von dolle? Ich will hier nicht von einer Lüge sprechen, denn ich hatte den Eindruck, dass das die ehrliche Ansicht vieler Anwesenden war. Ich möchte aber schon von kontrafaktischen Behauptungen sprechen. Sich Aktivität vorzumachen, wenn Stillstand herrscht, kann gefährlich sein. Es führt zu der irrigen Ansicht, man tue doch schon so viel für den Frieden. Es benebelt den Kopf.

Selbstbefriedigung ist überhaupt nichts Schlechtes. Nur dachte ich immer, dass es in der Natur der Sache liegt, sie alleine vorzunehmen. Muss man sie kollektiv mit über hundert Leuten im Historischen Rathaus vornehmen? Ich würde mal sagen: Muss man nicht zwingend.


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