Zwei Stunden, alles drin

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Synagoge in Nordengland




Jüdische Gottesdienste können ewig dauern. Besonders am Schabbat-Morgen. Aber gestern habe ich eine kleine Erleuchtung erlebt.

Von Gerald Beyrodt

Gestern war ich in einem orthodoxen Gottesdienst in einer Synagoge in Nordengland. Der Schabbat-Morgen-Gottesdienst hat ganze zwei Stunden gedauert. Zwei Stunden! Man muss dazu wissen, dass solche Gottesdienste ewig dauern können. Aber hier war in zwei Stunden alles dabei: eine Haftara-Lesung genauso wie ein vollständiger Mussaf.

Bei den Liberalen in Deutschland frage ich mich häufig, wozu die ganzen Kürzungen gut sein sollen, wenn es am Ende doch eher länger dauert. Und bei den Konservativen bin ich nach den Gottesdiensten oft einfach nicht mehr zu gebrauchen, weil sie so lange dauern.

Hier in England ging alles Zack-Zack und war trotzdem sehr vollständig. Eine lange Predigt gab es allerdings nicht, denn der Rabbiner war im Urlaub, daher auch keine unstrukturierte Predigt, kein Gedicht von Rose Ausländer oder Sarah Kirsch, keine weitschweifigen Ansagen des Vorstandes, keine umständlich einzuübenden Melodien während des Gottesdienstes, keine Erklärungen, kein Gebet, bei dem man mitklatschen und mitschnipsen muss: Baruch hu uhuuu (und bei Unhuu muss man verzückt in die Gegend glotzen). Nichts davon. Einfach solides Gebet. Zwei Stunden kurz. Gar nicht so schlecht, diese Orthodoxie.

Okay, es gibt da ein paar Punkte mit Frauen und Queers, bei denen Orthodoxe glatt von uns lernen könnten. Aber das mit den zwei Stunden werde ich mir merken.


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