In Synagogen im Ausland werde ich ich oft gefragt, wo ich herkomme. Die Antwort: Aus Köln. Und das zieht jede Menge Kölnisch-Wasser-Witze nach sich.
Von Gerald Beyrodt
Im Urlaub gehe ich häufig in dortige Synagogen. Und wer zu Gast in einer Synagoge ist, wird ziemlich sicher gefragt, wo er denn herkommt. Ich komme aus Köln. Und das hat folgendes Ergebnis. Im englischen St. Anne’s war ich zu einem Gemeinde-Barbecue eingeladen. Der Rabbiner hielt eine Rede: „Wir haben Gäste aus Manchester, aus London und aus Cologne. Also jetzt nicht solches Cologne…“ und dann machte er mit den Händen Parfum-Flaschen Pantomime.., „sondern die Stadt Cologne.“ Damals fand ich den Cologne-Witz noch echt dufte und dachte: Alle kochen mit Wasser, nur wir kochen mit Kölnisch Wasser.
Jetzt bin ich in Nizza. Und in der Synagoge wurde ich natürlich auf Kölnisch Wasser angesprochen – mehrmals. Beim ersten Mal habe ich als Antwort gesagt, dass Köln auch die Stadt mit der ersten jüdischen Gemeinde in Deutschland ist aus dem Jahr 321. Das ist grob vereinfacht, aber ich wollte vom Kölnisch Wasser ablenken. Beim zweiten Mal fragte jemand, als es geregnet hat: „Haben Sie das Wasser, das Eau, mitgebracht? Ist es Eau de Cologne?“ Irgendwie verfolgt mich dieser Duft.
Das Kölnisch Wasser scheint die Menschen zu beschäftigen. Sogar Ludwig der XVI und Napoloeon haben Kölnisch Wasser getragen, habe ich in der französischsprachigen Wikipedia erfahren. Aber die haben sich vermutlich auch ziemlich wenig gewaschen. Als ich in Berlin gelebt habe, wurde ich bei Urlauben in Ausland kein einziges Mal auf Krapfen angesprochen. Das Kölnisch Wasser scheint es in sich zu haben.
Ich bin auch gar nicht so mit Köln identifiziert. Trotzdem will ich nicht, dass die Stadt auf das Kölnisch Wasser reduziert wird. Ich könnte tolerant sein und denken: „Ist doch toll, dass die Leute das Kölnisch Wasser kennen.“ Ich sollte mich freuen. Aber es geht nicht. Ich freue mich nicht und bin nicht tolerant. Ich kann keine Eau-de-Cologne-Witze mehr hören. Wenn ich wieder im Urlaub in eine Synagoge gehe, sage ich, ich bin aus Düsseldorf.

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