Beinahe wäre ich mit in die Illegalität abgerutscht. Denn bei meinem Arbeitgeber muss man Nebentätigkeiten beantragen. So auch diesen Blog. Dass ich mit dem Blog kein Geld verdiene, spielt keine Rolle, aus irgendwelchen Gründen muss ich ihn mir genehmigen lassen. Nur: Ich blogge lieber, als Antragsformulare auszufüllen.
Von Gerald Beyrodt
Und so stellte ich irgendwann fest: Der letzte Nebentätigkeitsantrag für meinen Blog ist schon seit Monaten abgelaufen. Also stelle ich einen Antrag zum ersten des nächsten Monats. Vielleicht auch zum übernächsten ersten. Zu irgendeinem Datum, zu dem ich denke, dass die verschiedenen Abteilungen meines Arbeitgebers damit zurechtkommen.
Ich gebe mir echt Mühe beim Ausfüllen des Formulars. Ich kenne meine Schusseligkeit im Umgang mit den Dingern. Habe ich wirklich die Zahl der Stunden richtig angegeben? Stimmt die Angabe der Abteilung? Abteilungsnamen ändern sich so häufig. Scheint alles korrekt zu sein, denke ich, unterschreibe und gebe das Ding in die Hauspost.
Dann meldet sich Sabine aus dem Chefsekretariat. Ich hätte den falschen Kostenträger angegeben. Genauer: Schon seit einigen Monaten hätten wir keine Kostenträger mehr, sondern Kostenziffern. Ob ich die korrekte Kostenziffern einfügen und ihr den neu unterschriebenen Antrag noch mal schicken wolle.
Nett, dass Sabine fragt. Ich will im Zweifel kein Antragsformular noch mal ausfüllen. Ich habe zum Glück an dem Tag eine Erkältung und schreibe, ich sei krank. Ob es vielleicht unter Umständen möglich sei, dass Sabine die inkorrekte Ziffer durchstreicht und die korrekte drüberschreibt. Sabine wünscht „gute Besserung“ und sagt, das sei absolut kein Problem
Einige Zeit höre ich nichts. Nichts bedeutet: Mein Antrag nimmt entweder seinen Weg durch die Abteilungen oder er ist versackt. Aber dann gibt es eine Nachfrage von Schreiner. Frau Schreiner hat früher die Urlaubsanträge bearbeitet. Aber seit wir Urlaube digital beantragen und die Urlaubsabteilung aufgelöst wurde, bearbeitet Frau Schreiner offenbar Nebentätigkeitsanträge.
Frau Schreiner jedenfalls fragt in einer Mail, wie sich denn die Lücke von einigen Monaten zwischen den Nebentätigkeitsanträgen für diesen Blog erkläre. Einen Tag lang überlege ich, was ich antworten könnte, denn meine Schusseligkeit ist mir immer furchtbar peinlich. Dann fasse ich mir ein Herz und schreibe Frau Schreiner, wie sich die Lücke erklärt: nämlich damit, dass ich die Sache vergessen habe.
Frau Schreiner meldet sich am nächsten Tag telefonisch. Das sei überhaupt nicht schlimm. Dann werde sie das so weitergeben. Ein paar Tage später meldet sich Frau Schreiner wieder. Leider sei der Antrag so nicht durchgegangen, wegen der Lücke. Ich müsse jetzt rückwirkend für die versäumte Zeit beantragen. Ich sage, dass ich bis zum 29. August nicht gebloggt habe und ob ich den Antrag ab 29. August stellen könne. Ja, das sei wohl möglich.
Trotzdem könne ich mich schon mal an den neuen Antrag machen. Das tue ich am nächsten Tag pflichtschuldig. Irgendwann kommt einer meiner Anträge zurück. Das Daten August 24 bis August 25 sind durchgestrichen und duch 2025 und 2026 ersetzt. Ich denke, auch recht, aber eigentlich blogge ich jetzt illegal bis August 25. Dann schließlich kommt das andere Antragsformular zurück, auch mit durchgestrichenen Daten. Genehmigt von August 24 bis August 25.
Ich bin so erleichtert. Ich bin so erfreut. Ich hatte schon gedacht, ich würde kriminell und auf die schiefe Bahn abrutschen. Und jetzt sind alle Anträge genehmigt. Ich bin total regelkonform. Ihr könnt meine Zeilen ohne Bedenken lesen.

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