Von Gerald Beyrodt
Neulich war ich beim muslimischen Friseur, wie ich meinte. Erst hat mir der junge Friseur vom Fitnessstudio erzählt und davon, dass er zehn Kilo Muskelmasse zunehmen will. „Meinst Du ich schaffe das?“ hat er mich gefragt. Ich hatte keine Ahnung. Aber ich habe gesagt: „Klar schaffst du das. Wichtig ist nur, dass du dich eiweißreich ernährst.“
Es war gerade kurz vor dem Wochenende, und deshalb hat mich der muslimische Friseur gefragt, ob ich am Abend noch feiern gehe. Ich habe nein gesagt. Der muslimische Friseur ließ nicht locker, bisschen feiern und was trinken sei doch schön. Sein Kollege war ganz seiner Meinung. Feiern und was trinken sei echt cool. Darauf ich: „Was sagt denn Allah dazu, dass ihr so viel trinkt?“
Nein, nein, sie seien keine Moslems, sondern Jesiden. Sie seien aus dem Irak vertrieben worden. – Mir war das echt peinlich, dass ich einfach mal Jesiden für Muslime gehalten habe. Vermutlich wegen der schwarzen Haarfarbe. Aber die jesidischen Friseure fanden, ich müsse mich nicht entschuldigen. Immerhin wusste ich zu sagen, dass es in Nordrhein-Westfalen viele Jesiden gibt, dass Jesiden nur an einen Gott glauben und dass beide Elternteile Jesiden sein müssen, damit das Kind es auch wird. Die jesidischen Friseure waren echt zufrieden mit mir. Sie haben noch ergänzt, dass es im Jesidentum keine Konversion gibt.
Jetzt wollte sie wissen, welche Religion ich habe. Ich habe whrheitsgemäß gesagt: „Ich bin jüdisch.“
„Ich mag Juden“, hat der eine Friseur gesagt.
Darauf ich: „Da seid ihr aber die einzigen.“
Die Friseure fanden, Israel habe absolut recht im gegenwärtigen Konflikt. Israel müsse gewinnen. Ich fühlte mich genötigt, auf das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung hinzuweisen. Ja, schon, sagten die Friseure, aber Israel muss gewinnen.
Andere Leute gehen zum Rat der Religionen oder stehen sich bei langen interreligiösen Konferenzen die Beine in den Bauch. Ich brauche das nicht. Ich lasse mir die Haare schneiden.
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